Sonntag, 12. Juni 2016

Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen. Sprüche 3,5-6


Als ich sieben Jahre alt war, erkrankte mein Vater so schwer an Knochenkrebs, dass man ihm ein Bein amputierte und ihm noch ein Jahr Lebenserwartung gab. Ich erinnere mich an einen Sonntagmorgen. Mein Vater war im Krankenhaus, und wir saßen im Gottesdienst. Plötzlich ging die Tür auf, und mein Vater kam herein. Das Bein war noch nicht amputiert. Er hatte seinen Mantel über den Schlafanzug gezogen und war aus dem Krankenhaus weggelaufen. Die ganze Gemeinde weinte und betete. Ich weine heute noch wenn ich daran zurückdenke. Es war schrecklich. 

Wir Kinder gingen dann in die Sonntagschule, und weil ich so traurig war, durfte ich mir
ein Lied wünschen. Ich musste nicht lange überlegen und wünschte mir folgendes Lied:

Weil ich Jesu Schäflein bin,
freu ich mich nur immerhin
über meine guten Hirten,
der mich wohl weiß zu bewirten,
der mich liebet, der mich kennt
und bei meinem Namen nennt.

Unter seinem sanften Stab
geh ich ein und aus und hab
unaussprechlich süße Weide,
dass ich keinen Mangel leide,
und sooft ich durstig bin,
führt er mich zum Brunnquell hin.

Sollt ich denn nicht fröhlich sein,
ich beglücktes Schäfelein?
Denn nach diesen Erdentagen
werd ich endlich heimgetragen
in des Hirten Arm und Schoß.
Amen, ja, mein Glück ist groß.


Mein Vater starb nicht an dieser Krankheit. Er starb vor einigen Jahren im Alter von 76 Jahren. An seiner Beerdigung wurde diese Geschichte erzählt, und ich erkannte in diesem Augenblick die Wahrheit, die sich 42 Jahre vorher ereignet hatte, und die Auswirkung auf mein ganzes Leben hatte. 

In dem Augenblick, als ich damals dieses Lied sang „Weil ich Jesu Schäflein bin“, da habe ich nicht einfach nur ein Lied gesungen, da habe ich gewusst, ich bin im Arm des guten Hirten Jesus, und der sorgt gut für mich. 

Wie muss Gott sich damals gefreut haben, dass ich als siebenjähriges kleines Mädchen genau das getan habe, was Gott sich von allen Menschen wünscht. Ich habe ihm vertraut, und die Welt war in Ordnung. Ich glaubte seinem Wort. Ohne darüber nachzudenken nahm ich es für mich.

Ich glaube, dass dieser kindliche Glaubensakt maßgeblich dazu beigetragen hat, dass mein Vater nicht starb. Dadurch hatte ich eine sehr glückliche Kindheit. Und Gott belohnte mein Vertrauen noch mehr. Alles in meinem Leben gelang. Selbst in den Zeiten, in denen ich nicht nach Gott fragte, führte er mich atemberaubende Wege. Oft wurde ich von Mitschülern und Kollegen um mein Leben beneidet. Ich konnte das immer verstehen. Ich hätte mich auch beneidet.

Mit 49 Jahren erlebte ich eine geistliche Erneuerung, die dadurch eingeleitet wurde, dass ich in einem Gottesdienst saß und plötzlich Gott zu mir sprach und sich mir offenbarte als der gute Hirte, der sich um mich kümmert. Ich war überwältigt von seiner Liebe und setzte mein Vertrauen neu auf ihn. Das hat mein Leben radikal verändert.

Lydia Gies 

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